Morgenimpuls zur Tageslosung

Pfarrer Albert verschickt von Montag bis Samstag als Rund-E-Mail einen „Morgenimpuls“ mit einer kleinen Besinnung zur Tageslosung.

Diese Mail können alle Leute bekommen, die sie haben möchten. Dafür schickt man  eine Mail an die Adresse stefan.albert@ev-kirche-schefflenz.de und schreibt hinein: „Ich möchte bis auf Widerruf den Morgenimpuls von Pfarrer Albert an diese E-Mail-Adresse bekommen“, mit dem Namen darunter.

Diese Morgenimpulse darf man gerne auch ausdrucken und an andere verteilen. Den Wunsch, die Mail zu bekommen, kann man jederzeit widerrufen!

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Morgenimpuls für Samstag, 12. September 2026

Die Tageslosung aus dem Alten Testament steht im fünften Buch Mose, Kapitel vier, Vers neun.

Hüte dich nur und bewahre deine Seele gut, dass du nicht vergisst, was deine Augen gesehen haben.

Meine ehemalige Schulklasse hat einen Klassenchat in WhatsApp, wo wir uns auch mal über aktuelle Dinge austauschen, aber vor allen Dingen natürlich Erinnerungen miteinander teilen. Und da loben die anderen immer wieder mein gutes Gedächtnis, weil ich eine ganze Menge Dinge beitragen kann, die andere längst vergessen haben.

Allerdings habe ich deutlich gemerkt, dass dieses scheinbar gute Gedächtnis äußerst selektiv ist. Manche Dinge aus lang vergangenen Zeiten stehen mir so vor Augen, als ob sie gerade erst passiert wären, anderes dagegen ist mir völlig entfallen. Ein System dahinter kann ich nicht erkennen.

Unsere heutige Losung warnt uns vor einem selektiven Gedächtnis, und zwar in einem ganz bestimmten Bereich. Dort, wo es um Gott geht, um die Erfahrungen mit Gott, auch um Erlebnisse darüber, wo er für uns da war, uns geholfen hat.

„Vergiss nicht, was deine Augen gesehen haben!“ Für den Glauben ist nicht nur wichtig, was andere erzählen oder was in der Bibel steht. Es gibt auch die eigene Geschichte: Situationen, in denen ich getragen wurde, überraschend Hilfe erfahren habe, etwas gut ausgegangen ist oder ich neue Kraft bekommen habe. Gerade wenn es später schwierig wird, sind solche Erinnerungen wichtig. Die Frage könnte sein: Was haben meine Augen schon gesehen, das ich nicht vergessen möchte?

Wir erinnern uns erstaunlich gut an schlechte Dinge. Eine Kränkung von vor zehn Jahren fällt uns sofort wieder ein. Vieles Gute dagegen verblasst schnell. Vielleicht steckt deshalb in diesem Vers eine sehr lebensnahe Aufforderung: Bewahre das Gute genauso sorgfältig in deiner Erinnerung auf wie das Schwere. Nicht um sich die Welt schönzureden, sondern damit das Schwere nicht irgendwann deine ganze Lebensgeschichte erzählt.

„Bewahre deine Seele gut.“ Das klingt fast wie Seelenhygiene. Wir achten darauf, was wir essen, wie viel wir schlafen, ob wir uns bewegen. Nun ja, sagen wir besser: Wir sollten darauf achten. Aber womit „ernähren“ wir eigentlich unsere Seele? Welche Bilder, Nachrichten, Sorgen und Erfahrungen bekommen ständig Raum – und welche guten Erfahrungen gehen dabei unter?

Unsere guten Erinnerungen können ein Vorrat sein für schlechte Zeiten. Man könnte das Bild eines Vorratsschranks verwenden: In guten Zeiten legt man etwas zurück, von dem man später zehren kann. Ähnlich können Erinnerungen sein. Ich habe schon einmal gedacht: Ich schaffe das nicht – und dann ging doch ein Weg auf. Solche Erfahrungen lösen das heutige Problem nicht. Aber sie können verhindern, dass wir hoffnungslos viel zu schnell aufgeben.

Wie es der Psalm 103 so treffend ausdrückt: „Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat!“