Morgenimpuls zur Tageslosung

Pfarrer Albert verschickt von Montag bis Samstag als Rund-E-Mail einen „Morgenimpuls“ mit einer kleinen Besinnung zur Tageslosung.

Diese Mail können alle Leute bekommen, die sie haben möchten. Dafür schickt man  eine Mail an die Adresse stefan.albert@ev-kirche-schefflenz.de und schreibt hinein: „Ich möchte bis auf Widerruf den Morgenimpuls von Pfarrer Albert an diese E-Mail-Adresse bekommen“, mit dem Namen darunter.

Diese Morgenimpulse darf man gerne auch ausdrucken und an andere verteilen. Den Wunsch, die Mail zu bekommen, kann man jederzeit widerrufen!


Morgenimpuls für Mittwoch, 1. Juli 2026

Die Tageslosung aus dem Alten Testament steht im Buch der Sprüche, erstes Kapitel, Vers 7.

Die Furcht des Herrn ist der Anfang der Erkenntnis.

In meiner Kindheit habe ich noch ein Erziehungssystem kennengelernt, das teilweise noch auf Angst passierte. Von einem Verbot für Eltern, ihre Kinder zu schlagen, wusste man damals noch nichts; in der Schule war es zwar offiziell mittlerweile verboten, als Strafe zu prügeln, aber längst nicht alle Lehrer und Lehrerinnen hielten sich daran. So gab es bei einem meiner Lehrer in der Grundschule bei Vergehen noch häufig Tatzen, also Schläge mit dem Stock auf die flache Hand. Wobei ich betonen möchte, dass er trotzdem ein hervorragender Pädagoge war, von dem wir viel gelernt haben.

Und so wie die Kinder damals häufig nach Fehlverhalten Angst vor den Eltern oder Angst vor den Lehrern hatten, so wurde auch Gott sehr oft als jemand dargestellt, der alles beobachtet und vor dessen Strafen für alle Sünden man sich fürchten müsse. Tilman Moser beschrieb in einem Buch, wie er dieses Denken im Verlauf der Zeit so verinnerlichte, dass die Eltern gar nicht mehr viel sagen mussten, er selbst fühlte sich permanent überwacht und kontrolliert und versuchte darum ängstlich, jedes Fehlverhalten zu vermeiden. Dies führte freilich dazu, dass ihm der Glaube an Gott verleidet wurde; sein Buch heißt deshalb „Gottesvergiftung“.

Wenn in unserer Losung von der „Furcht des Herrn“ die Rede ist, dann scheint das diese alte Denkweise zu bestätigen. Doch wenn die Bibel von „Gott fürchten“ spricht, dann meint sie damit nicht Angst, sondern „Ehrfurcht“. Gott respektieren Gott, Gott ernst nehmen, Gott nicht einfach ignorieren und links liegenlassen.

Und dieser Respekt vor Gott, dieses „Gott mit einberechnen in seinem Leben“, ist der Anfang der Erkenntnis – so jedenfalls heißt es in der Tageslosung.

Wobei mit „Erkenntnis“ keine wissenschaftlichen Erkenntnisse gemeint sind. Um ein wissenschaftliches Experiment durchführen zu können, muss man kein gläubiger Mensch sein.

Sondern damit ist eine tiefergehende Erkenntnis gemeint: Sich selbst zu verstehen, den Sinn des Lebens zu verstehen, zu erkennen, „was die Welt im Innersten zusammenhält“. Dies alles ist nach biblischer Vorstellung nur möglich, wenn wir Gott nicht ausklammern wollen, sondern ausdrücklichen in unsere Überlegungen mit einbeziehen und uns in ein respektvolles Verhältnis zu ihm setzen.

Angst dagegen vor Gott wäre kontraproduktiv, denn „Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus. Denn die Furcht rechnet mit Strafe; wer sich aber fürchtet, der ist nicht vollkommen in der Liebe.“ (1. Johannes 4,18)