Morgenimpuls zur Tageslosung

Pfarrer Albert verschickt von Montag bis Samstag als Rund-E-Mail einen „Morgenimpuls“ mit einer kleinen Besinnung zur Tageslosung.

Diese Mail können alle Leute bekommen, die sie haben möchten. Dafür schickt man  eine Mail an die Adresse stefan.albert@ev-kirche-schefflenz.de und schreibt hinein: „Ich möchte bis auf Widerruf den Morgenimpuls von Pfarrer Albert an diese E-Mail-Adresse bekommen“, mit dem Namen darunter.

Diese Morgenimpulse darf man gerne auch ausdrucken und an andere verteilen. Den Wunsch, die Mail zu bekommen, kann man jederzeit widerrufen!

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Morgenimpuls für Dienstag, 26. Mai 2026

Die Tageslosung aus dem Neuen Testament steht im ersten Brief des Apostel Paulus an die Christen in der Stadt Thessaloniki, fünftes Kapitel, Vers 14.

Weist die zurecht, die sich an keine Ordnung halten, ermutigt die Verzagten, steht den Schwachen bei, habt Geduld mit allen!

Heutzutage sind die Zahlen der evangelischen Theologiestudierenden leider stark zurückgegangen, es fehlt wie in so vielen Branchen am Nachwuchs – doch ich habe noch zu den geburtenstarken Jahrgängen gehört, und so haben während meiner Studienzeit in Heidelberg dort sage und schreibe 2000 junge Frauen und Männer dieses altehrwürdige Fach studiert, die allermeisten als Vorbereitung auf die Übernahme eines Pfarramts.

Bei einer solchen Masse war auch das theologische Seminar, welches sich in der Altstadt von Heidelberg befindet, stark frequentiert bis überlastet. Umso wichtiger war es, dass die jungen Leute sich strikt an die Ordnungen hielten, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. Dazu gehörte auch, entliehene Bücher rechtzeitig zurückzugeben, weil natürlich andere darauf gewartet haben.

Und so war es mir sehr arg, als ich eines der von mir entliehenen Bücher völlig vergessen hatte und erst deutlich nach dem Rückgabetermin wieder ins Seminar brachte. Die dafür zuständige Seminaraufsicht wollte es wegen der großen Zeitüberschreitung nicht entgegennehmen und schickte mich zum Direktor des Seminars.

Man kann sich vorstellen, dass ich ängstlich und mit zitternden Knien den Weg zu seinem Büro antrat. Was für eine Strafe würde er mir Schlamper auferlegen? Er hätte mich beispielsweise vom weiteren Bücherentleihen ausschließen können, was mir die Arbeit sehr erschwert hätte.

Doch als ich dann in seinem Büro war und die Beichte abgelegt hatte, erwies er sich als ein umgänglicher Mann. Er blickte mich zwar zunächst scharf an, sodass mir das Herz in die Hose rutschte; aber dann zitierte er nur mit Stellenangabe die heutige neutestamentliche Losung, die er so wiedergab: „Mahnet die Unordentlichen!“ Und bei dieser scharfen Ermahnung beließ er es und nahm das Buch zurück. Ich glaube, in dem Moment ist mir einmal sehr plastisch die Bedeutung des alten theologischen Begriffspaares „Gesetz und Gnade“ deutlich geworden.

Mit seinem Verhalten hat der Direktor auch genau das gemacht, worum es in unserem Vers geht. Zum einen wird dazu aufgerufen, eben die Unordentlichen zu ermahnen, wobei übrigens im ursprünglichen Kontext vor allem die Leute gemeint sind, die nicht für ihren Lebensunterhalt arbeiten, obwohl sie dazu gut in der Lage wären. Auf der anderen Seite aber wird dazu aufgefordert, Nächstenliebe zu zeigen, Geduld aufzubringen, Schwache zu schonen, wozu man auch durchaus diejenigen zählen kann, die sich etwas haben zuschulden kommen lassen.

Das geht natürlich nicht unbegrenzt. Sollte jemand weiterhin so schlampig bleiben, regelmäßig vielleicht Bücher vergessen, dann müssen irgendwann Konsequenzen folgen, dann hätte der Seminardirektor vermutlich auch nicht alle Augen plus Hühneraugen zugedrückt.