Morgenimpuls zur Tageslosung

Pfarrer Albert verschickt von Montag bis Samstag als Rund-E-Mail einen „Morgenimpuls“ mit einer kleinen Besinnung zur Tageslosung.

Diese Mail können alle Leute bekommen, die sie haben möchten. Dafür schickt man  eine Mail an die Adresse stefan.albert@ev-kirche-schefflenz.de und schreibt hinein: „Ich möchte bis auf Widerruf den Morgenimpuls von Pfarrer Albert an diese E-Mail-Adresse bekommen“, mit dem Namen darunter.

Diese Morgenimpulse darf man gerne auch ausdrucken und an andere verteilen. Den Wunsch, die Mail zu bekommen, kann man jederzeit widerrufen!

Den aktuellen Morgenimpuls können Sie jeweils auch hier lesen!

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Morgenimpuls für Donnerstag, 8. Dezember 2022

Die Tageslosung aus dem Alten Testament steht im zweiten Buch Mose, Kapitel 35, Vers 29.

Jeder Mann und jede Frau, deren Herz dazu bereit war, alle diese Israeliten brachten eine Gabe für den Herrn.

Über einen sehr wortgewaltigen Prediger in Norddeutschland erzählt man sich folgendes: Eines Tages hat er über das Thema „Spenden“ gepredigt. Und dabei sagte er: „Gestern bin ich an einer Weide vorbeigekommen, auf der Kühe standen. Die Kühe brüllten. Ich fragte mich: Was haben sie denn? Sie sind doch gefüttert, sie haben alles bekommen, was sie brauchten! Und schließlich kam ich darauf: Sie wollten gemolken werden!“

Auch in unserer Tageslosung geht es über das Thema Spenden. Allerdings wollen die Leute, um die es da geht, nicht gemolken werden – sie bringen freiwillig ihre „Milch“.

Es geht in diesem Bibelabschnitt um den Bau der so genannten Stiftshütte. Das war ein transportables Heiligtum, welches die Israeliten am Berg Sinai errichtet haben und dann auf ihrer langen Wüstenwanderung mitgenommen haben.

Zu diesem Bau des Heiligtums haben die Israeliten einen freiwilligen Beitrag geleistet. Der Bibelabschnitt erzählt sowohl von Spenden, dass die Leute beispielsweise Schmuck zur Verfügung gestellt haben, als auch von praktischer Arbeit bei der Errichtung des Heiligtums.

Bei der praktischen Arbeit fühlte ich mich ein wenig an eine Geschichte erinnert, die ich in einer der Orte gehört habe, in denen ich meinen Probedienst nach der praktischen Ausbildung verrichtet habe: Als dort im neunzehnten Jahrhundert die heutige Dorfkirche errichtet wurde, brauchte man große Ziegel für das Dach. Sie wurden mit der Eisenbahn zu einem nahegelegenen Bahnhof gebracht. Und dann fuhren die ganzen Bauern des Dorfes mit ihren Fuhrwerken zum Bahnhof, um die Ziegel dort abzuholen und zum Bauplatz der Kirche zu transportieren.

In dem Bibelabschnitt über die Stiftshütte wird immer wieder betont, dass diese Menschen das freiwillig getan hätten. Es waren nur solche Leute beteiligt, „deren Herzen dazu bereit waren“. Das erinnert mich an einen Satz des Apostel Paulus in seinem zweiten Brief an die Christen in Korinth, wo er zu einer Geldsammlung für die Not leidenden Christen in Jerusalem aufgerufen hat, aber betont hat: Ein jeder, wie er es sich in seinem Herzen vorgenommen hat, nicht aus Zwang oder weil er sich verpflichtet fühlt; denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.

Ich könnte mir vorstellen, dass manche jetzt „mit den Hufen scharren“ und überzeugt sind: Da sehen wir es mal wieder! Dinge wie die Kirchensteuer sind falsch! Es geht nur um freiwillige Spenden! – Doch dafür könnte er oder sie sich nicht auf die fünf Bücher Mose berufen. Dort ist beides keineswegs ein Widerspruch. Neben diesen freiwilligen Aktionen gibt es in den dortigen Vorschriften auch klare Regelungen für verpflichtende Abgaben der Leute. Zum einen prozentual, nämlich der so genannte „Zehnte“ aller Einkünfte (deutlich mehr als bei unserer Kirchensteuer, die nur acht bis zehn Prozent der Einkommensteuer beträgt), zum anderen ist auch von einer festen Abgabe pro Kopf die Rede.

Daraus lerne ich für mich: Es gehörte damals selbstverständlich dazu, durch planbare Beiträge der Leute den laufenden Betrieb im Bereich des Heiligtums sicherzustellen (Dienst der Priester, Anschaffung der täglichen Opfer usw.), aber darüber hinaus war immer wieder auch das freiwillige Engagement der Leute für besondere Herausforderungen und Aufgaben gefragt. Bei denen, die es von Herzen tun, für die also „die Sache mit Gott“ wirklich eine Herzenssache ist.

Und was lernt ihr aus diesen Worten?