Pfarrer Albert verschickt von Montag bis Samstag als Rund-E-Mail einen „Morgenimpuls“ mit einer kleinen Besinnung zur Tageslosung.
Diese Mail können alle Leute bekommen, die sie haben möchten. Dafür schickt man eine Mail an die Adresse stefan.albert@ev-kirche-schefflenz.de und schreibt hinein: „Ich möchte bis auf Widerruf den Morgenimpuls von Pfarrer Albert an diese E-Mail-Adresse bekommen“, mit dem Namen darunter.
Diese Morgenimpulse darf man gerne auch ausdrucken und an andere verteilen. Den Wunsch, die Mail zu bekommen, kann man jederzeit widerrufen!
Die Tageslosung aus dem Alten Testament steht im Buch des Propheten Jesaja, Kapitel 40, Vers 10.
Siehe, da ist Gott der HERR! Er kommt gewaltig, und sein Arm wird herrschen.
Bevor ich im Theologiestudium in den einzelnen Fächern wie beispielsweise Altes Testament oder Kirchengeschichte Seminare besuchen durfte, musste ich zunächst einmal sogenannte Proseminare erfolgreich besuchen. In diesen Proseminaren hat man uns beigebracht, wie im jeweiligen Fach wissenschaftlich gearbeitet wird, und am Ende des Semesters mussten wir mit einer wissenschaftlichen Proseminararbeit nachweisen, dass wir es auch verstanden hatten – nur dann bekamen wir Zugang zu den Seminaren.
Dazu gehörte natürlich auch der Umgang mit wissenschaftlicher Literatur zum jeweiligen Thema. Soweit sie nicht in deutscher Sprache war, war sie meist in Englisch verfasst, und damit für uns Studenten recht gut verständlich. Aber es gab auch Ausnahmen. So habe ich mich einmal mit der Erwartung des Messias im Judentum beschäftigt. Und da wurde ein wichtiges wissenschaftliches Werk angegeben, welches mir doch Kopfzerbrechen bereitet hat. Es war von einem norwegischen Professor verfasst worden und trug den Titel: „Han som kommer. Messiasforventningen i Det gamle testament og på Jesu tid.“ Es war also in Norwegisch veröffentlicht worden, und meine Kenntnisse in dieser Sprache waren doch ein ganz klein wenig eingerostet.
Ich fasste also „Mut zur Lücke“ und habe dieses Werk bei meiner Arbeit weggelassen. Was sich aber mir bis heute eingeprägt hat, war der Beginn des Titels. „Han som kommer“. Denn so viel hatte ich herausgefunden, dass diese Worte bedeuteten: „ER, der kommen wird.“
Han som kommer! Besser kann man es gar nicht beschreiben, worauf die Hoffnung beruht. Dass Gott kommen wird in Gestalt des Messias, des von ihm entsandten Retters, der dann mit göttlicher Macht ausgestattet das große Werk verrichten wird – wozu beispielsweise die Sammlung der verstreuten Kinder Israels aus aller Welt gehört, die Durchführung des Jüngsten Gerichts, und die Erlösung der Gläubigen von den Sünden. Eine Hoffnung, die sich auch in den Worten unserer Tageslosung ausdrückt.
Han som kommer! Für uns Christen ist er bereits gekommen in der Gestalt von Jesus, der sein Erlösungswerk vollbracht hat – und am Ende der Zeit wiederkommen wird. Nach jüdischer Überzeugung aber ist Jesus nicht der Messias, sondern der wird erst noch kommen.
Das ist übrigens der Grund dafür, dass manche strenggläubigen Juden den Staat Israel ablehnen. Nicht etwa wegen angeblicher Verbrechen dieses Staates, sondern weil es nach ihrer Ansicht allein Sache des Messias sein wird, das Volk Israel wieder im Heiligen Land zu sammeln, und nicht eines weltlichen Staates.
Han som kommer! Ich muss immer an das weise Wort eines jüdischen Gelehrten denken: „Wir Juden warten darauf, dass der Messias kommen wird. Ihr Christen wartet darauf, dass er wiederkommen wird. Warten wir, bis er da ist, dann werden wir sehen, ob es der Gleiche ist.“
Han som kommer! Ich habe jetzt im Internet gesehen, dass es dieses Buch mittlerweile auch in englischer Übersetzung gibt; vielleicht werde ich mir im Ruhestand mal die Zeit nehmen, es doch noch zu lesen.