Morgenimpuls zur Tageslosung

Pfarrer Albert verschickt von Montag bis Samstag als Rund-E-Mail einen „Morgenimpuls“ mit einer kleinen Besinnung zur Tageslosung.

Diese Mail können alle Leute bekommen, die sie haben möchten. Dafür schickt man  eine Mail an die Adresse stefan.albert@ev-kirche-schefflenz.de und schreibt hinein: „Ich möchte bis auf Widerruf den Morgenimpuls von Pfarrer Albert an diese E-Mail-Adresse bekommen“, mit dem Namen darunter.

Diese Morgenimpulse darf man gerne auch ausdrucken und an andere verteilen. Den Wunsch, die Mail zu bekommen, kann man jederzeit widerrufen!


Morgenimpuls für Samstag, 4. Juli 2026

Die Tageslosung aus dem Alten Testament steht im Buch des Propheten Jesaja, 6. Kapitel, Vers 8.

Ich hörte die Stimme des Herrn, wie er sprach: Wen soll ich senden? Wer will unser Bote sein? Ich aber sprach: Hier bin ich, sende mich!

Auf einer christlichen Karikatur aus den USA sieht man das Gemeindehaus einer christlichen Gemeinde, wo gerade alle Leute panisch in alle Richtungen flüchten. Und jemand erklärt einem darüber erstaunten Besucher: „Das läuft hier jedes Mal so, wenn der Pfarrer nach Freiwilligen sucht!“

Das gibt es freilich nicht nur in den USA, sondern kommt gerüchtweise manchmal (!!!) auch unter Christenmenschen in Deutschland vor. Und keineswegs nur im Bereich der Ehrenamtlichen. Ich habe es in den nun über 35 Jahren meines kirchlichen Dienstes oft genug erlebt, wie beispielsweise ein Dekan in der Runde der Pfarrerinnen und Pfarrer nach Leuten gesucht hat, die eine bestimmte wichtige Aufgabe übernehmen könnten, die ganzen Anwesenden (wovon ich mich nicht ausnehmen möchte) aber nur interessiert ihre Schuhe betrachtet haben, und alle miteinander diese berühmte Form von Mikado gespielt haben: Wer sich als erster rührt, hat verloren! Wer hat die schlechtesten Nerven und meldet sich irgendwann, wenn die peinliche Stille zu lange dauert?

Der Prophet Jesaja macht es anders in unserer Tageslosung. In einer Vision wird er mitten in den himmlischen Hofstaat hineinversetzt, sieht den Saum von Gottes Gewand und die ganzen Engel um seinen Thron herum. Gott hat eine Mission, die erfüllt werden muss, den Menschen eine wichtige Botschaft zu bringen. Er fragt nach jemandem, den er dafür senden könnte, und Jesaja zögert keinen Augenblick, tritt nach vorne und meldet sich freiwillig.

Erst danach erfährt er, worin genau sein Auftrag besteht, und es ist beim besten Willen keine einfache Aufgabe. Er soll den Leuten vom drohenden Strafgericht Gottes erzählen, also etwas, wofür er vermutlich sehr viel Prügel einstecken wird und kaum Anerkennung. Doch er macht keinen Rückzieher, auch wenn er sich vielleicht hinterher im stillen Kämmerlein gedacht hat: Ich und meine große Klappe!

In den Geschichten, wie Jesus Jünger beruft, wird immer wieder deutlich: Jesus lässt den Leuten kaum Zeit, nachzudenken. Sie sollen nicht zurückgehen nach Hause, um sich zu verabschieden, sie sollen ihm direkt folgen. Er sagt sogar: Wer seine Hand an den Pflug legt und blickt zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.

Ich denke, dass einfach folgendes dahintersteht: Wenn man jetzt lang genug nachdenkt, fallen einem tausend Sachen ein, die dagegensprechen können. Und die Umwelt wird genügend Gründe dafür nennen, warum das jetzt nicht dran ist, was Gott sagt, was Jesus sagt, sondern erst einmal dies oder jenes erledigt werden soll, und danach dann vielleicht. Biblisch ausgedrückt hat der alt böse Feind, der Satan, kein Interesse daran, dass wir uns in den Dienst Gottes stellen, und hat in seiner langjährigen Erfahrung eine große Liste an „Argumenten“ gesammelt, die dagegensprechen könnten. Ein schönes Beispiel dafür ist beispielsweise die Diskussion zwischen Mose und Gott, als er ihn am brennenden Dornbusch beruft (2. Mose 3).

Natürlich ist klar: Es bringt wenig, wenn Leute spontan zu allem bereit sind und es sich dann bald herausstellt, dass sie nicht in der Lage sind, sich wirklich dieser Aufgabe zu widmen. Ich bin auch weit davon entfernt, die Anfrage durch die Gemeinde mit einer Anfrage durch Gott gleichzusetzen. Und es ist natürlich auch klar, dass immer die Gefahr besteht, dass manche sich völlig überfordern lassen, viel zu viele Ämter und Posten übernehmen und am Ende schier zusammenbrechen.

Doch diese Gefahr ist viel weniger gegeben, je mehr Leute bereit sind, sich auch auf neue Herausforderungen im Dienst für Gott einzulassen und trotz aller möglichen Bedenken ihre Bereitschaft zu signalisieren: Hier bin ich, sende mich!