Morgenimpuls zur Tageslosung

Pfarrer Albert verschickt von Montag bis Samstag als Rund-E-Mail einen „Morgenimpuls“ mit einer kleinen Besinnung zur Tageslosung.

Diese Mail können alle Leute bekommen, die sie haben möchten. Dafür schickt man  eine Mail an die Adresse stefan.albert@ev-kirche-schefflenz.de und schreibt hinein: „Ich möchte bis auf Widerruf den Morgenimpuls von Pfarrer Albert an diese E-Mail-Adresse bekommen“, mit dem Namen darunter.

Diese Morgenimpulse darf man gerne auch ausdrucken und an andere verteilen. Den Wunsch, die Mail zu bekommen, kann man jederzeit widerrufen!

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Morgenimpuls für Freitag, 24. April 2026

Die Tageslosung aus dem Neuen Testament steht im Lukasevangelium, Kapitel 9, Vers 62.

Jesus sprach: Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.

„À la recherche du temps perdu“, zu Deutsch: „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“, lautet der Titel eines berühmten siebenteiligen französischen Romans. Ich habe den französischen Titel schon des Öfteren zitiert und im Kopf gehabt, weil ich das Gefühl habe, dass er eine innere Einstellung recht gut wiedergibt, die viele Menschen immer wieder einmal haben. Und auch ich zumindest Zeiten im Leben gehabt habe, bei denen das bei mir zugetroffen hat. Die verklärte Sehnsucht nach dem, was früher gewesen ist.

Es ist niemals gut, etwas Neues zu beginnen, aber gedanklich beim Alten zu bleiben. Das ist das Problem in manchen Ehen: Dass diese Männer gerne verheiratet sind, aber trotzdem immer wieder dem ungebundenen Junggesellenleben nachtrauern, oder, noch schlimmer, der früheren Freundin ein Stück weit nachtrauern.

Es kann aber auch ein „harmloserer Fall“ sein: Dass man immer wieder davon schwärmt, wie viel besser alles doch früher gewesen sei, wie glücklich die Kindheit und so weiter, häufig unter Ausblendung der negativen Seiten damals.

Aber ob (scheinbar) harmlos oder schwerwiegend: Es hindert uns auf jeden Fall zumindest ein Stück weit daran, uns auf die Gegenwart voll und ganz einzulassen und motiviert in die Zukunft zu gehen.

Jesus macht das in unserer neutestamentlichen Losung auch an einem anderen Bereich deutlich: Wenn man sich im Leben für Christus entscheidet, bewusst als Christ leben will, dann klappt das nicht, wenn man seinem früheren Leben und Lebensstil innerlich noch nachhängt.

Jesus vergleicht es mit dem Pflügen. Damals zog ein Ochse den Pflug, und der Bauer steuerte den Pflug. Es war wichtig, eine gerade Linie zu ziehen, um den Platz auf dem Feld auszunutzen. Wer sich dabei dauernd umschaute, dessen Furche wurde krumm und schief. Der Bauer musste den Blick auf den Bereich vor dem Pflug richten, dann gab es eine harmonische Linie. Mit heutigen Worten: Wer sich beim Fahren dauernd umschaut, landet am Baum.

Jesus macht dem Mann, mit dem er da spricht, also klar: Es ist eine gute Sache, wenn du mir folgst – aber dann konzentriere dich auch darauf. Lass dich wirklich von Herzen darauf ein. Blicke nach vorne, auf die Aufgabe, die auf dich wartet. Das Reich Gottes zu verkündigen, den Menschen von mir zu erzählen.

Man könnte es auch auf die Kirche übertragen: Wenn wir nur dauernd darüber jammern, wie besser es früher gewesen sei, mit viel mehr Kirchenmitgliedern, viel mehr Gottesdienstbesuch usw., dann hindert uns das daran, die Aufgaben der Gegenwart und Zukunft beherzt anzugehen.

Und es gilt für mich allgemein als einem Ideal, dem ich mich immer wieder annähern möchte: Keine „recherche du temps perdu“ – sondern für das dankbar sein, was ich jetzt habe, und mich von Gott in das hineinführen lassen, was er in der Zeit vor mir für mich vorgesehen hat.