Morgenimpuls zur Tageslosung

Pfarrer Albert verschickt von Montag bis Samstag als Rund-E-Mail einen „Morgenimpuls“ mit einer kleinen Besinnung zur Tageslosung.

Diese Mail können alle Leute bekommen, die sie haben möchten. Dafür schickt man  eine Mail an die Adresse stefan.albert@ev-kirche-schefflenz.de und schreibt hinein: „Ich möchte bis auf Widerruf den Morgenimpuls von Pfarrer Albert an diese E-Mail-Adresse bekommen“, mit dem Namen darunter.

Diese Morgenimpulse darf man gerne auch ausdrucken und an andere verteilen. Den Wunsch, die Mail zu bekommen, kann man jederzeit widerrufen!


Morgenimpuls für Montag, 13. Juli 2026

Die Tageslosung aus dem Alten Testament steht im Psalm 98, Vers 9.

Der Herr kommt, das Erdreich zu richten. Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit und die Völker, wie es recht ist.

Wenn ich bei Hausarbeit oder Garten Dinge erledige, bei denen man nicht groß nachdenken muss, dann nutze ich diese Zeit gerne, um entweder mittels Headset Briefe und andere Schreiben in mein Diktiergerät zu diktieren; der Computer setzt dann später diese Sprachdateien in geschriebenen Text um. Oder aber ich höre Podcasts, also Informationssendungen im Internet zum Zuhören. Vor allen Dingen über Kriminalfälle (bei mir als Krimiautor wohl kein Wunder) oder über Geschichtsdinge, ich bin sehr an der Historie interessiert.

Und so habe ich mal einen sehr interessanten Beitrag gehört über die so genannten Nürnberger Prozesse. Im bekanntesten dieser Gerichtsverfahren haben die alliierten Sieger des Zweiten Weltkriegs nach dem Krieg die führenden Köpfe des Naziregimes vor Gericht gestellt, soweit die noch lebten und ihnen in die Hände gefallen waren. Leute wie Hermann Göring, Hitlers Stellvertreter Rudolf Hess, oder den Chef der Wehrmacht, Feldmarschall Wilhelm Keitel, der in blindem Gehorsam auch verbrecherische Befehle Hitlers an die Wehrmacht unterzeichnet und weitergegeben hatte – Spötter nannten ihn deshalb „LaKeitel“.

Interessant war für mich weniger der Ausgang dieser Prozesse, er war mir schon vertraut, als vielmehr der Bericht über den obersten Ankläger, einen Juristen aus den USA. Er war froh darüber, dass man diese Leute nicht einfach an die Wand gestellt hatte (was beispielsweise Churchill im Sinn gehabt hatte), sondern deren Verbrechen juristisch aufarbeiten wollte vor den Augen der Weltöffentlichkeit. Es war das erste Mal, dass sich auf diese Weise eine Regierungsmannschaft vor Gericht verantworten musste; der Ankläger hoffte, damit ein neues Kapitel in der Rechtsgeschichte der Welt zu eröffnen. Dass künftig niemand mehr in führender Position davon ausgehen konnte, für Verbrechen im Amt nicht bestraft zu werden, sondern alle die irdische Gerichtsbarkeit fürchten mussten.

Heute, 80 Jahre später, ist aber Ernüchterung eingetreten. Zwar gibt es mittlerweile internationale Strafgerichtshöfe, die auch gelegentlich große Verbrecher aburteilen konnten wie die Führer der bosnischen Serben aus dem jugoslawischen Bürgerkrieg, Karadzic und Mladic; aber gerade bei den führenden Leuten der mächtigen Staaten dieser Erde braucht man kaum zu erwarten, dass man sie rechtlich belangen wird. Und mittlerweile gibt es auch erhebliche Zweifel an der Neutralität dieser Gerichtshöfe.

Und doch macht die heutige Tageslosung wieder einmal deutlich: Unsere irdische Justiz und Gerechtigkeit sind notwendigerweise begrenzt (zumal manche Übeltäter niemals gefasst werden, wie beispielsweise der berüchtigte Arzt von Auschwitz, Josef Mengele); und doch gibt es ein göttliches Strafgericht, dem keiner dieser hochgestellten Frauen und Männer wird entgehen können. Es gibt eine Rechtsinstanz, die weit über alle irdischen ist, nämlich die unseres Gottes. Und er kommt, und er wird Gericht halten, und dann wird vieles in Recht verwandelt werden, was in unserer Welt noch grausames Unrecht ist.

Und darum bereitet es mir kaum Kopfschmerzen, dass beispielsweise führende Nazis wie Hitler, Himmler oder Bormann sich durch Selbstmord der irdischen Justiz entzogen haben; das Gerichtsverfahren, das noch auf sie wartet, wird völlig unabwendbar sein.