Pfarrer Albert verschickt von Montag bis Samstag als Rund-E-Mail einen „Morgenimpuls“ mit einer kleinen Besinnung zur Tageslosung.
Diese Mail können alle Leute bekommen, die sie haben möchten. Dafür schickt man eine Mail an die Adresse stefan.albert@ev-kirche-schefflenz.de und schreibt hinein: „Ich möchte bis auf Widerruf den Morgenimpuls von Pfarrer Albert an diese E-Mail-Adresse bekommen“, mit dem Namen darunter.
Diese Morgenimpulse darf man gerne auch ausdrucken und an andere verteilen. Den Wunsch, die Mail zu bekommen, kann man jederzeit widerrufen!
Die Tageslosung aus dem Alten Testament steht im Buch des Propheten Jesaja, Kapitel 63, Vers 15.
So schau nun vom Himmel und sieh herab von deiner heiligen, herrlichen Wohnung! Wo ist nun dein Eifer und deine Macht?
Während meines Studiums gehörte es bei mir als badischem Theologiestudenten dazu, ein wenig über den Tellerrand zu schauen und ein paar Stunden bei anderen Fakultäten zu belegen. Aus Interesse hörte ich deshalb Vorlesungen bei den Juristen und bei den Sinologen, also den Chinakundlern.
In einer dieser Vorlesungen hörte ich von der Sprengkraft „historischer Dramen“. China hat eine sehr lange Geschichte, die durch die frühe Erfindung der chinesischen Schrift sehr gut überliefert ist. Darum gibt es kaum etwas an Entwicklungen oder Krisen, die es dort nicht in vergleichbarer Form schon irgendwann einmal gegeben hat. Wenn man deshalb die Leute an der Spitze kritisieren möchte, führt man eine Parallele aus der Geschichte als historisches Drama auf – wenn die Zensurbehörde es denn durchlässt.
Als Beispiel nannte der Professor uns den sogenannten „Großen Sprung vorwärts“ Ende der 1950er Jahre. Durch einen gewaltigen Kraftakt wollte Mao das Land binnen kürzester Zeit industrialisieren. Das geschah so dilettantisch und chaotisch, dass die Folge eine verheerende Hungersnot war, der Millionen Menschen zum Opfer fielen. Mao aber wollte davon nichts wissen, und überhörte alle Warnungen und schlechten Berichte geflissentlich.
Und da wurde ein historisches Drama aufgeführt über einen chinesischen Kaiser, der damals in seinem berühmten Elfenbeinturm saß und auch schlechte Nachrichten aus dem Land nicht hören wollte. Es war natürlich auf Mao gemünzt, der bald darauf diese wahnsinnige Wirtschaftsmaßnahme abbrechen musste.
Genau dieses historische Drama hätte auch der Prophet aufführen lassen können, von dem unsere Tageslosung stammt. Denn er hat beim obersten Herrscher überhaupt, unserem Gott im Himmel, das gleiche Gefühl. Dass Gott dort oben in seinem Elfenbeinturm sitzt und entweder gar nicht mitbekommt, was hier an Schlimmem abläuft, oder sich nicht dafür interessiert. Darum fordert er ihn unmissverständlich auf: Schau von deiner Wohnung herunter auf die Erde, sieh, was hier los ist, und greife für uns ein!
Aber nein, für den Propheten wäre kein historisches Drama notwendig gewesen. Der einfache Grund: Bei unserem Gott brauchen wir uns nicht zu verstecken, wenn wir ihn kritisieren wollen, und müssen mit unserer Meinung nicht hinter dem Berg halten. Wir dürfen es offen sagen und ihn dazu auffordern, einzugreifen. Völlig anders als im kommunistischen China unter Mao.