Morgenimpuls zur Tageslosung

Pfarrer Albert verschickt von Montag bis Samstag als Rund-E-Mail einen „Morgenimpuls“ mit einer kleinen Besinnung zur Tageslosung.

Diese Mail können alle Leute bekommen, die sie haben möchten. Dafür schickt man  eine Mail an die Adresse stefan.albert@ev-kirche-schefflenz.de und schreibt hinein: „Ich möchte bis auf Widerruf den Morgenimpuls von Pfarrer Albert an diese E-Mail-Adresse bekommen“, mit dem Namen darunter.

Diese Morgenimpulse darf man gerne auch ausdrucken und an andere verteilen. Den Wunsch, die Mail zu bekommen, kann man jederzeit widerrufen!

Den aktuellen Morgenimpuls können Sie jeweils auch hier lesen!

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Morgenimpuls für Samstag, 15. Mai 2021

Die Tageslosung aus dem Alten Testament steht im Buch der Klagelieder, drittes Kapitel, Vers 26.

Es ist ein köstlich Ding, geduldig zu sein und auf die Hilfe des Herrn hoffen.

In einem alten Scherz heißt es: „Herr, schenke mir Geduld, aber bitteschön sofort!“ Dieser Spruch zeigt das ganze Dilemma auf, in dem man steckt.

Einerseits wissen wir natürlich, dass Geduld eine Tugend ist. Etwas, was uns selbst guttut. Etwas, mit dem wir Ziele besser erreichen können. „Mit Geduld und Spucke fängt man die Mucke“, sagt ein altes Sprichwort.

Auf der anderen Seite aber ist Ungeduld etwas, was tief in uns Menschen drinsteckt. Das geht schon bei kleinen Kindern los. Wer mit Kindern öfters mal größere Autofahrten unternimmt, kennt die gefürchtete Frage, die nach spätestens zehn Minuten vom Rücksitz erschallt: „Sind wir bald daaa?“ – Das ist übrigens nicht nur eine menschliche Eigenschaft; auch unser Hund beispielsweise ist nach spätestens einer Minute Fahrzeit fest davon überzeugt, dass es jetzt endlich Zeit sei, anzukommen und auszusteigen. Und das macht er lautstark kund.

Bei Eltern können ungeduldige Kinder manchmal etwas erreichen, wenn sie genügend quengeln (außer wenn es um solche Dinge geht wie „sofort das Fahrtziel erreichen“, da können auch Eltern nicht zaubern) – aber unser himmlischer Vater lässt sich nicht drängen.

In ihrem Gesprächsgottesdienst haben unsere Konfirmanden als mögliche Reaktion Gottes auf unsere Gebete auch die „gelbe Ampel“ vorgestellt. Sie bedeutet: Gott kümmert sich um das, worum wir bitten – aber er erfüllt unseren Wunsch nicht sofort, sondern wir müssen erst noch warten. Den Grund können wir manchmal im Nachhinein erkennen, auf jeden Fall aber darauf vertrauen, dass Gott schon weiß, was er tut.

Unsere Tageslosung wurde in einer Zeit verfasst, in der es dem Volk Gottes sehr schlecht gegangen ist. Der große Aufstand gegen die Babylonier war gescheitert, Jerusalem und der Tempel lagen in Trümmern, viele Juden waren als Gefangene ins ferne Babylon deportiert worden. Die Zurückgebliebenen mussten versuchen, unter diesen Bedingungen ihren Alltag irgendwie zu organisieren. In verzweifelten Klageliedern wenden sie sich an Gott und bitten um seine Hilfe, die wirklich für sie dringend war.

Doch selbst sie kommen zur Erkenntnis: Es ist ein köstlich Ding, wenn wir nicht ungeduldig sind, sondern geduldig auf die Hilfe Gottes warten. Er wird nach unseren Gebeten eingreifen, zum genau richtigen Zeitpunkt; und diese Aussicht lässt uns durchhalten, wir müssen nicht einfach alle Hoffnung fahren lassen.

Diese so bedrängten Leute waren Vorbilder für Geduld. Auch wenn es ihnen vermutlich manchmal schwergefallen ist, so wie jedem Menschen. Können wir ihrem Vorbild folgen?