Morgenimpuls zur Tageslosung

Pfarrer Albert verschickt von Montag bis Samstag als Rund-E-Mail einen „Morgenimpuls“ mit einer kleinen Besinnung zur Tageslosung.

Diese Mail können alle Leute bekommen, die sie haben möchten. Dafür schickt man  eine Mail an die Adresse stefan.albert@ev-kirche-schefflenz.de und schreibt hinein: „Ich möchte bis auf Widerruf den Morgenimpuls von Pfarrer Albert an diese E-Mail-Adresse bekommen“, mit dem Namen darunter.

Diese Morgenimpulse darf man gerne auch ausdrucken und an andere verteilen. Den Wunsch, die Mail zu bekommen, kann man jederzeit widerrufen!

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Morgenimpuls für Freitag, 29. Mai 2026

Die Tageslosung aus dem Alten Testament steht im Buch des Propheten Jeremia, Kapitel 10, Vers 23.

Ich habe erkannt, HERR, dass der Mensch nicht über seinen Weg bestimmt.

Vor kurzem hatten wir in Schefflenz wieder unsere drei Konfirmationen. Ein Thema war dabei auch, dass die jungen Leute jetzt in einem Alter sind, in dem sie sich immer weniger von ihren Eltern vorgeben und bestimmen lassen wollen und stattdessen zunehmend selbst entscheiden wollen, was sie tun und was sie lassen. Es gibt ja diesen netten Spruch: „Pubertät ist das Alter, in dem die Eltern anfangen, schwierig zu werden.“

Dass das nicht ohne Konflikte im Elternhaus abgeht, ist klar. Wobei die Eltern deutlich mehr als in früheren Zeiten bereit sind, dabei auch nach Möglichkeit die Wünsche der Kinder zu respektieren. Die früheren Vorstellungen von Erziehung, die teilweise daraus hinausliefen, den Willen der Kinder zu brechen und sie in ein konformes Schema zu pressen, sind zum Glück weitgehend Geschichte. Wobei man teilweise jetzt auch, typisch deutsch, das Kind mit dem Bade ausschüttet und in Gegenextreme verfällt.

Zu dieser neuen Kultur der Erziehung trägt natürlich auch die heutige Sichtweise des Menschen in unserer Gesellschaft bei. Sie geht davon aus, dass der Mensch selbstbestimmt leben sollte, in möglichst allen Bereichen selbst über sich und sein Schicksal bestimmen sollte. Das betrifft nicht nur klassische Themen wie die freie Wahl des Berufs oder des Wohnortes, sondern so ziemlich alle Bereiche bis hin ans Lebensende: die Patientenverfügung.

Biblisch gesehen hat der Mensch natürlich einen freien Willen. Aber hat er darum sein Leben auch in der Hand?

Dahinter setzt der Prophet Jeremia ein dickes Fragezeichen in unserer Tageslosung. Er sieht es durch seine Erfahrung als sicher an, dass der Mensch eben nicht selbst über seinen Weg bestimmt. Auf jeden Fall nicht so frei und unabhängig, wie wir es manchmal gerne hätten oder uns selbst vormachen.

Denn es spielen so viele Faktoren mit hinein, die uns zumindest große Teile unserer Entscheidungen vorgeben. Natürlich könnte ich sagen, dass ich gerne der nächste Bundeskanzler werden möchte. Aber hätte ich es in der Hand, diesen Wunsch Wirklichkeit werden zu lassen? Spielt da nicht ganz viel hinein, was ich nicht beeinflussen kann?

Meinen Schülerinnen und Schülern der Oberstufe habe ich gerne bei der Frage nach dem freien Willen die Frage gestellt: War es eure freie Entscheidung, ob ihr heute morgen zur Schule kommt oder euch noch einmal im Bett umdreht und weiterschlaft? – Sie kamen selbst zum Schluss, dass sie natürlich den Tag hätten chillen können, aber es dennoch nicht ihre wirklich freie Entscheidung war, doch in die Schule zu gehen, wegen der Konsequenzen, die es ansonsten nach sich gezogen hätte.

Und so spielt eine ganze Menge mit hinein. In welcher Gesellschaft wir leben, in welcher sozialen Schicht, welche finanziellen Ressourcen wir haben, welche Begabungen und welche Intelligenz, wie die großen Entwicklungen in der Welt sind und vieles mehr. All das hat massive Auswirkungen auf unsere Entscheidungen, welchen Weg wir gehen.

Darum ist es mir nur begrenzt wichtig, als selbstbestimmter und freier Mensch zu gelten. Und stattdessen als einer, der sein Leben und Ergehen in die Hände Gottes legt, ihm alles anbefiehlt – der besser als ich weiß, was gut für mich ist und was nicht, und der anders als ich wirklich die Möglichkeit hat, diesen für mich besten Weg zu ebnen und freizumachen.