Morgenimpuls zur Tageslosung

Pfarrer Albert verschickt von Montag bis Samstag als Rund-E-Mail einen „Morgenimpuls“ mit einer kleinen Besinnung zur Tageslosung.

Diese Mail können alle Leute bekommen, die sie haben möchten. Dafür schickt man  eine Mail an die Adresse stefan.albert@ev-kirche-schefflenz.de und schreibt hinein: „Ich möchte bis auf Widerruf den Morgenimpuls von Pfarrer Albert an diese E-Mail-Adresse bekommen“, mit dem Namen darunter.

Diese Morgenimpulse darf man gerne auch ausdrucken und an andere verteilen. Den Wunsch, die Mail zu bekommen, kann man jederzeit widerrufen!

Den aktuellen Morgenimpuls können Sie jeweils auch hier lesen!

Ab dem 29. Juli bis Ende August pausieren die Morgenimpulse urlaubsbedingt.

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Morgenimpuls für Mittwoch, 28. Juli 2021

Die Tageslosung aus dem Alten Testament steht im Buch Hiob, Kapitel 12, Vers 10.

In Gottes Hand ist die Seele von allem, was lebt.

Ausnahmsweise werde ich heute einfach eine alte Geschichte erzählen, die gut ausdrückt, was die heutige Tageslosung sagt. Die Geschichte stammt aus China. Es ist die vom „Purzelbaum des Affen aus Stein“.

Auf einem Berg im Osten, hoch oben, wo kein Vogel mehr sein Nest baute, lag einst ein großes steinernes Ei. Der Sturmwind brauste darüber weg, und die Sonne schien heiß und hell darauf, wie lange Zeit, weiß keiner.

Eines Tages aber grollte es im Berg, die Felsen bebten bis in die höchsten Spitzen, und das steinerne Ei bekam einen Sprung und barst.

Ein Affe kroch hervor, setzte sich neben seine Eierschalen und blinzelte. Er war ein sehr schöner Affe. Sein Leib war ganz aus glänzendem Stein, so dass sich die Sonne darin spiegeln konnte.

Der Affe lief den Berg hinunter. Andere Affen kamen ihm entgegen, gewöhnliche haarige Affen, in denen sich noch nie auch nur ein winziger Sonnenstrahl gespiegelt hatte, und sie fielen vor dem steinernen nieder und begrüßten ihn als ihren Herrn.

Als der Affe nun Herr geworden war, sprang er durch alle Länder der Erde und tauchte in alle Meere. Die Berge taten sich vor ihm auf und ließen ihn ihre Schätze sehen, und die kleinsten Pflanzen öffneten ihm ihre Blüten und hatten keine Geheimnisse vor ihm. Der Affe sammelte das Wissen der Welt.

Als er weiser war als jedes Wesen auf Erden, wurde er auch noch ein Meister in der Kunst des Purzelbaums. Er übte und übte unermüdlich, und zuletzt konnte er mit einem einzigen gewaltigen Purzelbaum Luft, Erde und Wasser durchmessen.

Da wurde der steinerne Affe hochmütig und sprach: „Kein Geschöpf der Erde ist mir gleich, ich beherrsche sie alle. Nun will ich noch Herr des Himmels werden.“

Der Affe holte Atem und sprang. Er schlug einen Purzelbaum in der blauen Luft und landete im Himmel, genau zu Füßen Gottes.

„Mein Affe“, sprach Gott. „Was willst du hier?“

Der Affe antwortete: „Ich will Herr des Himmels werden, denn ich kann mehr als alle Wesen auf der Erde. Mehr sogar als du, Gott. Oder vermagst du solch einen wundervollen Purzelbaum zu schlagen, dass du im selben Augenblick verschwunden bist und weit am anderen Ende der Welt wieder landest? Ich wette, das kannst du nicht.“

Gott lachte, und der Himmel füllte sich mit noch mehr Glanz. „Mein Affe“, sagte Gott. „Wir wollen eine Wette eingehen. Wenn du aus meiner Hand springen kannst, will ich dir meinen Platz im Himmel überlassen. Kannst du es aber nicht, sollst du dich mit dem Platz bescheiden, den ich dir auf der Erde zugewiesen habe.“

Der steinerne Affe kicherte, weil ihm die Wette gar so leicht erschien. Gott streckte dem Affen seine Hand entgegen, und der Affe sprang darauf.

„Hopp“, rief er und machte einen Purzelbaum und flog und flog. Er flog durch die Höhe und Breite und Tiefe, bis er ans Ende der Welt gekommen war.

Hier, in der herrlichen stillen Unendlichkeit, standen fünf Säulen. Zum Zeichen, dass der Affe bis hierher gesprungen war, biss er mit seinen starken steinernen Zähnen in eine der Säulen. Dann schwang er sich durch die weiten Räume in den Himmel und saß wieder auf Gottes Hand.

„Da bin ich!“ keuchte er mit seiner letzten Kraft.

Gott aber fragte: „Nun, mein Affe, wann springst du endlich aus meiner Hand?“

„Wie?“ schrie der Affe. „War ich nicht eben am Ende der Welt und habe ein Zeichen in eine der Säulen dort gebissen?“

Gott erwiderte: „Mein Affe, eben hast du ein wenig an meinem Finger geknabbert. Die Säulen, die du gesehen hast, waren in Wirklichkeit meine Finger. Soll dies dein Zeichen sein? Schau es an und wisse: Meine Hand war während deines ganzen Sprunges unter dir.“

Der Affe erkannte seine Bissspuren im Finger Gottes. Er erkannte, dass es unmöglich war, von Gott fortzuspringen, denn die ganze Welt liegt in Gottes Hand. Dem Affen wurde schwindlig.

Gott ließ den Affen sanft auf das Gebirge hinunterrutschen, wo er aus dem Ei gekrochen war. Fortan lebte der Affe bescheiden auf seinem Platz.