Pfarrer Albert verschickt von Montag bis Samstag als Rund-E-Mail einen „Morgenimpuls“ mit einer kleinen Besinnung zur Tageslosung.
Diese Mail können alle Leute bekommen, die sie haben möchten. Dafür schickt man eine Mail an die Adresse stefan.albert@ev-kirche-schefflenz.de und schreibt hinein: „Ich möchte bis auf Widerruf den Morgenimpuls von Pfarrer Albert an diese E-Mail-Adresse bekommen“, mit dem Namen darunter.
Diese Morgenimpulse darf man gerne auch ausdrucken und an andere verteilen. Den Wunsch, die Mail zu bekommen, kann man jederzeit widerrufen!
Die Tageslosung aus dem Alten Testament steht im Psalm 31, Vers 9.
Du stellst meine Füße auf weiten Raum.
Eine weitere Folge in der langen Serie: „Ich bin so alt…“. Nein, jetzt nicht: „Ich bin so alt, dass ich noch erlebt habe, wie Italien bei einer WM mitgespielt hat“, sondern: „Ich bin so alt, dass in meiner Kindheit noch Laufställe völlig üblich waren!“
Es ist mir mal aufgefallen bei meinen Besuchen bei Familien mit kleinen Kindern, beispielsweise bei Taufgesprächen: Ich sehe kaum noch irgendwo Laufställe. Falls manche jüngere Leserinnen und Leser gar nicht mehr wissen, was das ist: Das war eine Vorrichtung aus Holz, Grundfläche etwa 1,5 Meter im Quadrat, und umgeben von einem etwa einen Meter hohen Holzzaun, der aus Stäben bestand. Wenn die Eltern etwas zu tun hatten, bei dem sie das kleine Kind schlecht beaufsichtigen konnten (beispielsweise manche Hausarbeiten), dann wurde das Kind in diesen Laufstall gesetzt und konnte dort nach Herzenslust krabbeln bzw. erste Schritte tun – es war ja in einem geschützten Rahmen, aus dem es nicht aus eigener Kraft herauskam. Und damit ihm möglichst nicht langweilig wurde, legte man noch Spielzeuge oder Bilderbücher mit hinein.
Natürlich funktionierte das nur mit kleinen Kindern. Irgendwann wurden sie so groß, dass sie nicht mehr im Laufstall bleiben wollten, sondern unbedingt ihre Umgebung erkunden wollten. Bzw. bei Mama oder Papa mitgehen wollten. Und kleine Kinder haben ihre eigenen Möglichkeiten, das überdeutlich kundzutun.
Wie gesagt: Ich sehe solche Teile kaum noch. Über die Gründe kann ich nur spekulieren. Ich vermute mal, dass es sich nicht mit modernen Auffassungen von Pädagogik verträgt, die Kinder so ihrer Freiheit zu berauben
Unserer Tageslosung macht nun deutlich: Unser Gott setzt uns auch nicht in einen Laufstall, sondern gibt uns die Möglichkeit zur freien Entfaltung. „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“. Den Vers wählen übrigens auch Konfis gerne als Konfirmationsspruch; verständlich, denn in ihrem Alter ist die Sehnsucht nach Freiheit, nicht mehr von den Eltern gegängelt zu werden, wie sie es empfinden.
Natürlich ist es mit Risiken verbunden. Einfaches Beispiel ist die beliebte Frage, warum Gott im Garten Eden nicht einfach Stacheldraht um den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen gezogen hat, so dass es nicht möglich gewesen wäre, an ihn heranzukommen und so etwas Böses zu tun. Die einfache Antwort: Gott behandelt uns nicht wie kleine Kinder, die er in den sicheren Laufstall setzen muss. Sondern „wir sind schon groß“, er nimmt uns heraus und lässt uns laufen. Er stellt unsere Füße auf weiten Raum. Auch wenn das natürlich bedeuten kann, dass wir dann auch Wege gehen und Dinge tun, die absolut nicht in Ordnung sind und mit denen wir anderen und uns selbst schaden.
Auch das ist ein Stück weit wie bei Kindern: Wenn sie erst einmal diese Enge des Laufstalls verlassen haben, merken sie meist recht bald, dass es sinnvoll ist, auf das zu hören, was die Eltern sagen. Ansonsten gibt es Beulen und kräftig Aua. Wobei die Versuchung groß bleibt, gegen den Stachel zu löcken, aus Prinzip genau das Gegenteil zu machen – auch, um zu zeigen, wie unabhängig man ist.
Das wäre aber kein erwachsenes Verhalten, sondern eben das von Kleinkindern, die mit den Füßen stampfen und sich auf den Boden werfen und brüllen, weil sie nicht gegen alle Vernunft ihren Dickkopf durchbekommen.
Natürlich werden gute Eltern auch nach Ende der „Ära Laufstall“ darauf schauen, dass der Schaden, den das Kind erleiden kann, eng begrenzt bleibt. Die Menschheit wäre schon längst am Ende, wenn uns Gott nicht schon so oft vor den Folgen unserer eigenen Dummheiten, unseres eigenen schlechten Tuns bewahrt hätte. Auch ein Grund, uns wieder einmal bei ihm zu bedanken.