Pfarrer Albert verschickt von Montag bis Samstag als Rund-E-Mail einen „Morgenimpuls“ mit einer kleinen Besinnung zur Tageslosung.
Diese Mail können alle Leute bekommen, die sie haben möchten. Dafür schickt man eine Mail an die Adresse stefan.albert@ev-kirche-schefflenz.de und schreibt hinein: „Ich möchte bis auf Widerruf den Morgenimpuls von Pfarrer Albert an diese E-Mail-Adresse bekommen“, mit dem Namen darunter.
Diese Morgenimpulse darf man gerne auch ausdrucken und an andere verteilen. Den Wunsch, die Mail zu bekommen, kann man jederzeit widerrufen!
Die Tageslosung aus dem Alten Testament steht im Buch Josua, Kapitel 1, Vers 9. Dort spricht Gott:
Habe ich dir nicht geboten: Sei getrost und unverzagt?
„Angsthase, Pfeffernase, morgen kommt der Osterhase!“ Diesen Reim aus meiner Kindheit habe ich neulich in einer Predigt zitiert. Es war zum einen ein Abzählreim, aber zum anderen haben wir uns mit diesem Spruch auch über Kinder lustig gemacht, die sich etwas nicht getraut haben. Insbesondere, wenn es sich um Jungs gehandelt hat. Da galt noch das alte Prinzip: Ein Junge hat keine Angst, ein echter Indianer kennt keinen Schmerz!
Doch nun erinnert unser Gott in unserer heutigen Tageslosung den Josua, den Anführer des Volkes Israel nach dem Tod des Mose, daran: Ich habe dir doch befohlen, dass du keine Angst haben sollst, sondern getrost und unverzagt sein sollst! – Das klingt doch ganz nach dieser früheren „Pädagogik“, oder?
Ich kann aber genau sagen, wo mir dieser Spruch neulich erst begegnet ist. Und nicht nur einmal, sondern gleich mehrfach. Gleich unsere Konfirmanden haben den kompletten Vers als ihren Konfirmationsspruch gewählt. Und dabei ist mir aufgefallen, dass sie ihn in unterschiedlichen Wortlaut gewünscht haben, also aus verschiedenen Übersetzungen. Ein klares Zeichen dafür, dass nicht einer von ihnen den Spruch entdeckt hat und alle anderen abgekupfert haben, sondern sie unabhängig voneinander darauf gekommen sind.
Da kann man sich natürlich schon fragen: Was für Ängste plagen diese jungen Leute?
Als ich Jugendlicher war, also die Kindheit hinter mir gelassen hatte, da war Angst in meiner Generation weit verbreitet. Angst vor einem Atomkrieg, der damals wirklich drohte, Angst vor dem Absterben unserer Wälder wegen des sauren Regens, Angst vor einer Atomkatastrophe, insbesondere nach Tschernobyl… Unsere Nachbarländer sahen solche Dinge meist deutlich „entspannter“ als wir, und machten sich sogar über uns lustig. In Frankreich schuf man extra ein neues Fremdwort: „le Angst“.
Ich kann natürlich bei den einzelnen Jugendlichen nicht sagen, was sie bewegt hat. Aber wichtig ist mir, dass sie eben nicht nur die paar Worte unserer Tageslosung wollten, sondern den ganzen Vers. Und da klingt es schon ein wenig anders. In der Lutherbibel sagt Gott direkt nach diesen Worten: „Lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht; denn der HERR, dein Gott, ist mit dir in allem, was du tun wirst.“
Das ist das, worauf es ankommt. Ja, es gibt Ängste, und ich wäre der letzte, der mit der alten Pädagogik versuchen würde, sie den jungen Leuten zu verbieten oder auszureden. Aber wichtig ist, dass sie selbst die Zusage hören: In allen Ängsten dürfen wir doch darauf vertrauen, dass Gott bei uns ist, dass er uns beschützt, und wir uns auf ihn verlassen können.
Inmitten der großen Angstzeit meiner Jugend wurde folgendes Lied sehr populär, gerade nach einem Kirchentag in Hannover: „Fürchte dich nicht, gefangen in deiner Angst, mit der du lebst. Fürchte dich nicht, gefangen in deiner Angst. Mit ihr lebst du. / Fürchte dich nicht, getragen von seinem Wort, von dem du lebst. Fürchte dich nicht, getragen von seinem Wort. Von ihm lebst du. / Fürchte dich nicht, gesandt in den neuen Tag, für den du lebst. Fürchte dich nicht, gesandt in den neuen Tag. Für ihn lebst du.“