Pfarrer Albert verschickt von Montag bis Samstag als Rund-E-Mail einen „Morgenimpuls“ mit einer kleinen Besinnung zur Tageslosung.
Diese Mail können alle Leute bekommen, die sie haben möchten. Dafür schickt man eine Mail an die Adresse stefan.albert@ev-kirche-schefflenz.de und schreibt hinein: „Ich möchte bis auf Widerruf den Morgenimpuls von Pfarrer Albert an diese E-Mail-Adresse bekommen“, mit dem Namen darunter.
Diese Morgenimpulse darf man gerne auch ausdrucken und an andere verteilen. Den Wunsch, die Mail zu bekommen, kann man jederzeit widerrufen!
Die Tageslosung aus dem Alten Testament steht in Psalm 27, Vers 14.
Harre des HERRN! Sei getrost und unverzagt und harre des HERRN!
Ich muss es gestehen, da hilft alles Vertuschen nichts: Was Zahnärzte angeht, bin ich ein gewaltiger Angsthase. Das geht zurück auf ein Trauma meiner Kindheit, weil mein erster Zahnarzt ein richtiger Pferdeschlächter war. Seitdem bekomme ich schon leichte Angstzustände, wenn mir nur der typische Geruch einer Zahnarztpraxis in die Nase steigt. Deshalb suche ich immer nach besonders netten, rücksichtsvollen Vertreterinnen und Vertreter dieser Zunft, damit ich nicht irgendwann doch noch während der laufenden Behandlung mich an den Werbespruch erinnere aus meiner Kindheit: „Damit Sie auch morgen noch kraftvoll zubeißen können!“
Nun war ich beruflich bedingt wieder einmal umgezogen und kannte in der neuen Gegend keinen dieser Weißkittel. Deshalb habe ich mir halt bei einem willkürlich im Telefonbuch ausgesuchten Zahnarzt einen Termin geholt, einfach deshalb, weil er kurzfristig welche frei hatte.
Als ich bei ihm war, bekam ich einen gewissen Verdacht, warum dem so war. Der ältere Herr erschien mir ein ehemaliger Bundeswehr-Zahnarzt zu sein, jedenfalls nach seinem permanenten Kasernenhofton zu urteilen, auch in dem Gespräch mit mir als Patient. Er stellte fest, dass einer meiner Zähne abgestorben war, und wollte sich sogleich an die Wurzelbehandlung machen – und zwar ohne Betäubung. Als ich darum bat, doch vorher eine Spritze zu bekommen, wurde er wütend und warf mich hinaus. Mit der Begründung: „Wenn Sie kein Vertrauen zu mir haben, dann brauchen wir gar nicht erst anzufangen!“
Als ich die Praxis verließ, dachte ich wütend: „So ein Dackel! Wie soll ich Vertrauen zu ihm haben, wenn er mich noch nie behandelt hat? Vertrauen muss sich aufbauen, Vertrauen muss man sich verdienen!“
Doch dann wurde mir bei längerem Nachdenken klar, dass er nicht ganz unrecht hatte. Ich muss wenigstens so viel Vertrauen haben, dass ich den Mund aufmachen und ihn eine Behandlung versuchen lasse. Erst danach kann ich sehen, ob er vertrauenswürdig ist oder nicht. So viel Sprung ins kalte Wasser muss sein.
Unsere Tageslosung stammt von König David. Aber aus einer Zeit, in der er noch nicht König war. Wohl aber ein junger Mann, dem der damalige König Saul misstraute und von dem er (zu Recht, wie sich herausstellen sollte) befürchtete, dass David eines Tages seinen Platz auf dem Thron einnehmen würde.
Darum hat er David, obwohl David sein Schwiegersohn war, mit seinen Soldaten verfolgt, um ihn aus dem Weg zu räumen. Jahrelang war David auf der Flucht.
Es gelang ihm, selbst eine Truppe zusammenzustellen, wenn auch zu Beginn eine sehr kleine – verwegene Burschen, die für den charismatischen Anführer David durch Dick und Dünn gingen. Sie lebten von Raubzügen, aber immer bedroht durch König Saul.
Und nun, in dieser schweren Lage, muss sich David entscheiden. Worauf setzt er innerlich, worauf verlässt er sich vorrangig? Auf seine bewährten Männer und seine Fähigkeiten als Heerführer? Oder aber darauf, dass Gott, der ihm durch den Propheten Samuel die Königskrone verheißen hatte, ihn in dieser schweren Zeit nicht im Stich lassen würde, ihn retten würde?
Und er beschließt, das Risiko zu wagen und Gott zu vertrauen. Im Psalm, aus dem die Losung stammt, sagt er: „Selbst wenn eine ganze Armee gegen mich aufmarschiert, habe ich dennoch keine Angst. Auch wenn sie einen Krieg gegen mich beginnen, bleibe ich ruhig und zuversichtlich.“ Denn er wirft sich in die Arme Gottes.
David durfte erleben, dass sich dieses Vertrauen lohnte – am Ende saß er, wie verheißen, auf dem Thron in Jerusalem.
Das ist etwas, was uns ein Stück weit jeden Tag neu bevorsteht, was wir jeden Tag neu machen müssen: Ins kalte Wasser springen, unserem Gott wieder neu Vertrauensvorschuss zu geben.