Morgenimpuls zur Tageslosung

Pfarrer Albert verschickt von Montag bis Samstag als Rund-E-Mail einen „Morgenimpuls“ mit einer kleinen Besinnung zur Tageslosung.

Diese Mail können alle Leute bekommen, die sie haben möchten. Dafür schickt man  eine Mail an die Adresse stefan.albert@ev-kirche-schefflenz.de und schreibt hinein: „Ich möchte bis auf Widerruf den Morgenimpuls von Pfarrer Albert an diese E-Mail-Adresse bekommen“, mit dem Namen darunter.

Diese Morgenimpulse darf man gerne auch ausdrucken und an andere verteilen. Den Wunsch, die Mail zu bekommen, kann man jederzeit widerrufen!

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Morgenimpuls für Dienstag, 19. Mai 2026

Die Tageslosung aus dem Alten Testament steht im Buch des Propheten Jesaja, Kapitel 64, Vers 7.

HERR, du bist doch unser Vater! Wir sind Ton, du bist unser Töpfer, und wir alle sind deiner Hände Werk.

Schon lange bevor die (in meinen Augen ziemlich misslungene) Zeichentrickserie mit der Figur entstanden ist, habe ich als Kind bereits die Abenteuer von Pinocchio gelesen, ja förmlich verschlungen.

Es ist eine faszinierende Geschichte: Ein Mann möchte ein Holzscheit verarbeiten, als er feststellt, dass dieses Stück Holz sprechen kann. Daraufhin schenkt er es seinem Freund, dem Holzschnitzer Geppetto. Der macht daraus eine Puppe in der Gestalt eines Jungen. Doch zu seiner großen Verblüffung kann die Puppe nicht nur sprechen, sondern sich auch bewegen, erweist sich auch geistig als richtiges Kind, wenn auch aus Holz. Sie ist gegenüber Geppetto, der sie ja gemacht hat, ziemlich frech und aufsässig, läuft dann auch weg, baut immer wieder ziemlichen Mist. Es dauert eine ganze Weile, bis Pinocchio Stück für Stück zu einer gewissen geistigen Reife geläutert wird, Geppetto unter abenteuerlichen Bedingungen wiedertrifft und am Ende von einer guten Fee den größten Wunsch erfüllt bekommt: Ein richtiger Menschenjunge zu werden, der als Sohn von Geppetto aufwachsen kann.

Natürlich wissen wir, dass es sich dabei nur um eine erfundene Geschichte handelt. Es kann in Wirklichkeit gar nicht sein, dass ein Gegenstand, den wir herstellen, gegen uns aufsässig ist und bewusst das macht, was wir nicht wollen. Oder etwa doch?

Der Prophet spricht in der heutigen Losung von einem anderen Produkt, welches von Menschenhand gemacht ist, nämlich einem Gefäß aus Ton.

So wie Pinocchio von Geppetto geschaffen worden war, so wie ein Gefäß aus Ton vom Töpfer geschaffen wird, so wurden wir von unserem Gott geschaffen. Und zwar so, wie er es sich vorgestellt hat. Wir sind allesamt Meisterwerke Gottes, unverwechselbar geschaffen.

Und damit ist klar: So wie sich der alte Geppetto mit Fug und Recht als der Vater von Pinocchio sehen durfte, so ist Gott unser Vater. Daran wird er erinnert.

Warum die Erinnerung? Weil wir ziemlich widerspenstige Machwerke sind.

Wenn wir aber Gott widersprechen, ihn infrage stellen, ihm eine lange Nase zeigen mit dem, was er zu uns sagt – dann stehen wir auf einer Stufe mit Pinocchio, der sich derart gegen Geppetto stellt.

Gott wird also durch die Blume darum gebeten, uns trotzdem nicht fallen zu lassen, uns weiterhin zu helfen, trotz allem, was wir ihm schon zugemutet haben. So wie Geppetto trotz allem immer zu Pinocchio gehalten hat.

Pinocchio ist natürlich eine erfundene Gestalt, aber eine, von der wir laut dem Willen des Autors der Geschichten etwas lernen sollen. Werden wir es besser machen als Pinocchio? Werden wir irgendwann den törichten Versuch aufgeben, uns gegen unseren Gott zu stellen, und uns stattdessen ganz in seine Hand geben?