Pfarrer Albert verschickt von Montag bis Samstag als Rund-E-Mail einen „Morgenimpuls“ mit einer kleinen Besinnung zur Tageslosung.
Diese Mail können alle Leute bekommen, die sie haben möchten. Dafür schickt man eine Mail an die Adresse stefan.albert@ev-kirche-schefflenz.de und schreibt hinein: „Ich möchte bis auf Widerruf den Morgenimpuls von Pfarrer Albert an diese E-Mail-Adresse bekommen“, mit dem Namen darunter.
Diese Morgenimpulse darf man gerne auch ausdrucken und an andere verteilen. Den Wunsch, die Mail zu bekommen, kann man jederzeit widerrufen!
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Die Tageslosung aus dem Alten Testament steht im fünften Buch Mose, Kapitel acht, Vers fünf.
Du erkennst ja in deinem Herzen, dass der Herr, dein Gott, dich erzogen hat, wie ein Mann seinen Sohn erzieht.
Wenn ich heute im (hoffentlich) gereiften Alter auf die Zeit meiner Kindheit und Jugend zurückblicke, dann fällt mir auch manches ein, was mir an der Erziehung meiner Eltern nicht gefallen hat. Für anderes dagegen bin ich ihnen immer noch von Herzen dankbar.
Dazu zählt unter anderem, dass sie sich nicht auf einen Erziehungstrend eingelassen haben, der damals sehr modern und verbreitet war und insbesondere in großen Städten propagiert wurde: die sogenannte „antiautoritäre Erziehung“.
Wie es der Name schon verrät, wollte dieser Erziehungsstil bewusst darauf verzichten, dass die Eltern als Autorität oder gar autoritär auftreten. Strafen waren absolut verpönt, stattdessen sollten die Kinder ganz allein durch gutes Vorbild der Eltern und im Bedarfsfall durch klärende Gespräche auf einen guten Weg gebracht werden.
Dieser Ansatz war nicht nur pädagogisch eine Katastrophe, weil Kinder sich auch an Eltern reiben wollen und müssen, um einen eigenen Weg zu finden; sondern auch das dahinterstehende Menschenbild war sehr fragwürdig, dass Kinder gewissermaßen ein unbeschriebenes Blatt seien bei der Geburt, welches man einfach positiv füllen können. Der Hang zum Bösen, der auch in uns Menschen drinsteckt, wird dabei ignoriert.
Wobei ich nicht leugnen will, dass eine zu autoritäre, zu strenge, gar gewalttätige Erziehung ebenso viel Schaden anrichten kann. Ein gesundes Mittelmaß ist nötig.
Doch ein Stück weit übertragen viele Menschen dieses Erziehungsideal auf unseren Gott. Er soll gewissermaßen ein antiautoritärer Vater über den Wolken sein, der uns zwar durch Jesus ein gutes Vorbild gegeben hat, aber alles verzeiht, was wir anrichten, niemals straft, niemals korrigiert.
Mose verweist in unserer Tageslosung darauf, wie Gott wirklich uns Menschen erzieht. Nämlich so, wie in der damaligen Gesellschaft die Söhne erzogen wurden. Das bedeutet: Respekt vor den Eltern war unabdingbar, und sie gaben ihren Kindern eine klare Linie vor – so wie es Gott bei uns durch seine Gebote macht. Wenn wir uns diese Erziehung widersetzen, unseren eigenen Dickkopf gegen Gott durchsetzen wollen, dann schneiden wir uns nur ins eigene Fleisch.
Wir müssen zwar seit der großen Opfertat von Jesus nicht mehr befürchten, dass Gott zu strafenden Erziehungsmaßnahmen greift uns gegenüber. Aber es wäre ebenso wie bei der Erziehung unserer Kinder völlig falsch, wenn er einfach bei allem wegschauen würde und uns machen lassen würde, was wir wollen. Das wäre nicht Liebe, das wäre Gleichgültigkeit. So geht Gott nicht mit uns um.
Antiautoritäre Erziehung? Damit kann ich zwischen Menschen nichts anfangen, und erst recht nicht gegenüber meinem Gott. Er ist und bleibt die höchste Autorität in meinem Leben, der ich mich freiwillig unterordne und von der ich bereit bin, mich korrigieren zu lassen.