Morgenimpuls zur Tageslosung

Pfarrer Albert verschickt von Montag bis Samstag als Rund-E-Mail einen „Morgenimpuls“ mit einer kleinen Besinnung zur Tageslosung.

Diese Mail können alle Leute bekommen, die sie haben möchten. Dafür schickt man  eine Mail an die Adresse stefan.albert@ev-kirche-schefflenz.de und schreibt hinein: „Ich möchte bis auf Widerruf den Morgenimpuls von Pfarrer Albert an diese E-Mail-Adresse bekommen“, mit dem Namen darunter.

Diese Morgenimpulse darf man gerne auch ausdrucken und an andere verteilen. Den Wunsch, die Mail zu bekommen, kann man jederzeit widerrufen!

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Morgenimpuls für Freitag, 8. Mai 2026

Die Tageslosung aus dem Neuen Testament steht im Matthäusevangelium, Kapitel 28, Vers 18. Dort sagt Jesus:

Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.

Bei ihrem Gesprächsgottesdienst vor wenigen Wochen haben unsere Konfirmanden die Gemeinde beeindruckt, weil sie in der Kirche ein sehr schwieriges Lied vorgesungen haben, bei dem nicht nur Frauen und Männer zeitgleich unterschiedliche Texte singen, sondern zusätzlich auch in unterschiedlicher Geschwindigkeit. Sie haben das braverös gemeistert.

Der Titel dieses Liedes lautet „Prince of Peace“, zu Deutsch: „Fürst des Friedens“. Gemeint ist damit Jesus. Es ist einer der Titel, den bereits das Buch Jesaja dem kommenden Messias gibt: der „Friedefürst“.

Aber hat Jesus diese Bezeichnung wirklich verdient? Immerhin gibt es im Neuen Testament auch eine Stelle, die überhaupt nicht zu jemandem passt, den man unter die Kandidaten für den Friedensnobelpreis aufnehmen möchte. Ich denke jetzt an die Geschichte, wie Jesus voller Wut die Händler und Geldwechsler aus dem Vorhof des Tempels vertreibt, weil er ihnen vorwirft, das Haus seines Vaters entweiht zu haben. In der harmlosen Version der Geschichte hat er dabei nur die Tische umgeworfen, aber ein Evangelium berichtet, er habe bei dieser Säuberungsaktion sogar eine Peitsche eingesetzt.

Zu diesem Bild des keineswegs friedlichen Jesus scheint zu passen, was er seinen Jüngern direkt vor seiner Himmelfahrt gesagt hat. Ihm sei alle Gewalt gegeben worden im Himmel und auf Erden, gemeint ist: von seinem himmlischen Vater.

Alle Gewalt! War Jesus also wirklich im Kern gewalttätig?

Doch da liegt wieder nur das Problem vor, dass sich die deutsche Sprache seit Martin Luther verändert hat. Das Wort ist an dieser Stelle keineswegs in unserem heutigen negativen Sinn gemeint. Sondern es bezeichnet das, was noch in Ausdrücken wie „ein gewaltiger Herrscher“ oder „Amtsgewalt“ steckt: es ist ein anderes Wort für „Macht“. Vom griechischen Begriff her, der hier im Urtext steht, ist es die Vollmacht, die ein Herrscher gegenüber seinem Volk hat.

Wenn man das bedenkt, macht es Sinn, was Jesus hier deutlich macht: Er geht jetzt in den Himmel, aber nicht weil seine irdische Mission gescheitert wäre, sondern als Vollendung – er nimmt wieder seinen Platz ein zur Rechten seines himmlischen Vaters und hat dort unsichtbar Regierungsvollmacht über alles. Noch unsichtbar, muss man dazu sagen, nämlich nur bis zu dem Tag, bis er für alle sichtbar wiederkommen wird, am Jüngsten Tag.

Ich hoffe, durch diese Erklärung ein Hindernis beseitigt zu haben auf dem Weg zu Verleihung des Friedensnobelpreises an Jesus. Auch wenn Donald Trump natürlich extrem verärgert sein wird, weil wieder mal jemand diesen Preis bekommt, den er selbst doch so viel mehr verdient hätte.