Morgenimpuls zur Tageslosung

Pfarrer Albert verschickt von Montag bis Samstag als Rund-E-Mail einen „Morgenimpuls“ mit einer kleinen Besinnung zur Tageslosung.

Diese Mail können alle Leute bekommen, die sie haben möchten. Dafür schickt man  eine Mail an die Adresse stefan.albert@ev-kirche-schefflenz.de und schreibt hinein: „Ich möchte bis auf Widerruf den Morgenimpuls von Pfarrer Albert an diese E-Mail-Adresse bekommen“, mit dem Namen darunter.

Diese Morgenimpulse darf man gerne auch ausdrucken und an andere verteilen. Den Wunsch, die Mail zu bekommen, kann man jederzeit widerrufen!


Morgenimpuls für Mittwoch, 15. Juli 2026

Die Tageslosung aus dem Alten Testament steht im Buch des Propheten Hosea, Kapitel 11, Vers 8 und 9.

Mein Herz wendet sich gegen mich, all mein Mitleid ist entbrannt. Ich will nicht tun nach meinem grimmigen Zorn. Denn ich bin Gott und nicht ein Mensch, heilig in deiner Mitte.

Wenn es um die Gräueltaten der SS in den Konzentrationslagern geht, wird immer wieder die Frage aufgeworfen: Wie konnte es passieren, dass viele dieser Männer zu Hause liebevolle Familienväter waren, dann „im Dienst“ solche Verbrechen begingen – und hinterher wieder nach Hause gingen und dort wieder positiv wirkten – bis zu ihrer nächsten Schicht?

Viele Berichte stimmen darin überein, dass solche Männer am Anfang ihrer Dienstzeit in den KZ häufig große Hemmungen hatten, so brutal vorzugehen. In ihnen regte sich noch Mitleid. Doch wenn sie erst mal eine gewisse Zeit dabei waren in dieser Atmosphäre der Gewalt, wurden die Hemmungen immer weniger, und sie wurden zu diesem Schandfleck der Geschichte.

Auch wenn uns viele Philosophen einreden wollten und wollen, der Mensch sei von Natur aus „edel, hilfreich und gut“ – so macht uns doch die Bibel deutlich, dass der Mensch in der gefallenen Schöpfung auch viel Böses im Herzen trägt, Aggressionen, Hass, Wut. Und diese können leicht unser Handeln bestimmen.

In der Tageslosung schenkt uns Gott einen tiefen Einblick in seine Seele. Wie oft bei uns Menschen streiten auch in ihm häufig Wut und Mitleid miteinander.

Wir Menschen haben uns dann häufig nicht mehr im Griff – was schon auf den ersten Seiten der Bibel deutlich wird. Als Kain auf seinen Bruder Abel so wütend war und das immer mehr hochkochte, sagte Gott zu ihm: „Warum bist du so zornig und blickst so grimmig zu Boden? Wenn du Gutes im Sinn hast, kannst du doch jedem offen ins Gesicht sehen. Wenn du jedoch Böses planst, dann lauert die Sünde schon vor deiner Tür. Sie will dich zu Fall bringen, du aber beherrsche sie!“ Das Ende dürfte bekannt sein.

Doch in der Losung wird deutlich: Obwohl Gott in unserer Mitte lebt, wo es eben immer wieder neu zu bösem Verhalten kommt, im Kleinen oder im Großen, lässt er sich davon nicht anstecken. Er bleibt „heilig in unserer Mitte“, wie es in der Losung heißt.

Und darum lässt er nicht seinem Zorn freien Lauf. „Mein Mitleid ist entbrannt. Ich will nicht tun nach meinem grimmigen Zorn. Denn ich bin Gott und nicht ein Mensch.“

In einem Jugendkreis, den ich besuchte, ging es mal darum, dass Gott Abraham als seinen Freund bezeichnet. „Du aber, Israel, mein Knecht, Jakob, den ich erwählt habe, Nachkomme Abrahams, meines Freundes“, heißt es zB im Buch Jesaja. – In diesem Kreis war auch ein Mädchen mit psychischen Problemen. Sie erregte sich über diese Aussage, weil Abraham ja auch immer wieder gesündigt hat, und rief: „Wie kann Gott so einen Kerl als seinen Freund bezeichnen? Ich hätte reingeschlagen, reingeschlagen, reingeschlagen…“

Wir vielleicht auch. Und darum dürfen wir froh sein, dass er eben Gott ist und nicht ein Mensch – und aus Mitleid heraus viel seinen Zorn verrauchen lässt und viel besser mit uns umgeht, als wir es verdienen würden.