Morgenimpuls zur Tageslosung

Pfarrer Albert verschickt von Montag bis Samstag als Rund-E-Mail einen „Morgenimpuls“ mit einer kleinen Besinnung zur Tageslosung.

Diese Mail können alle Leute bekommen, die sie haben möchten. Dafür schickt man  eine Mail an die Adresse stefan.albert@ev-kirche-schefflenz.de und schreibt hinein: „Ich möchte bis auf Widerruf den Morgenimpuls von Pfarrer Albert an diese E-Mail-Adresse bekommen“, mit dem Namen darunter.

Diese Morgenimpulse darf man gerne auch ausdrucken und an andere verteilen. Den Wunsch, die Mail zu bekommen, kann man jederzeit widerrufen!


Morgenimpuls für Montag, 8. Juni 2026

Die Tageslosung aus dem Alten Testament steht im Buch des Propheten Jesaja, Kapitel 49, Vers 4.

Ich dachte, ich arbeitete vergeblich und verzehrte meine Kraft umsonst und unnütz. Doch mein Recht ist bei dem HERRN und mein Lohn bei meinem Gott.

Der Vers stammt aus dem „zweiten Lied vom Gottesknecht“ im Buch Jesaja. In den ersten Versen des Liedes tritt dieser Knecht Gottes selbstbewusst auf. Oder vielleicht sollten wir besser sagen: Sendungsbewusst. Er macht klar: Gott hat mich beauftragt, ich bin sein scharfes Schwert und sein Trumpf-Ass im Ärmel.

Doch plötzlich schlägt der Knecht deprimierte Töne an. „Ich dachte, ich arbeitete vergeblich und verzehrte meine Kraft umsonst und unnütz.“

Vielleicht kennt die geneigte Leserschaft der Morgenimpulse auch dieses Gefühl. Dass wir manchmal Zeiten erleben, in denen wir denken: „Ich habe mich doch wirklich angestrengt, aber es kam nichts dabei heraus.“ Dieses Gefühl kann man in unterschiedlichen Bereichen seines Lebens bekommen. Klar, man hat sich natürlich bemüht – aber es ist ja bekannt, dass eine der berüchtigten Formulierungen in Arbeitszeugnissen lautet: „Er bzw. sie hat sich stets bemüht, die Arbeit zur Zufriedenheit zu erledigen.“ Denn das bedeutet dann nur: Diese Person hat es niemals geschafft!

Und das bleibt eben auch nicht aus, wenn man sich für die Sache Gottes einsetzt. Wenn man z.B. aktiv in der Kirchengemeinde mitarbeitet und dort viel gibt. Dass man vielleicht zu einer Veranstaltung einlädt, sich gründlich vorbereitet, tolle Ideen hat, sich darauf freut – und dann bleiben doch die meisten Stühle leer. Und die, welche kommen, wirken auch nicht allzu interessiert. So eine Frustration kann gewaltig wachsen, es gibt auch so etwas wie einen geistlichen Burn-Out.

Da ist es für mich tröstlich, dass auch der Knecht Gottes in unserem Abschnitt
diese Frustration kennt. „Ich dachte, ich arbeitete vergeblich und verzehrte meine Kraft umsonst und unnütz.“ Denn wir Christen deuten es ja auch so, dass Jesus dieser Knecht ist. Wie oft berichtet die Bibel, dass Jesu Jünger auf dem Schlauch gestanden haben, dass die Leute Jesus völlig missverstanden haben, dass bei manchen trotz seiner Wunder der Groschen absolut nicht gefallen ist, ja, in seinem Heimatort wollte man ihn wegen seiner Predigt sogar lynchen. Auch wenn es blöd klingt: Wenn wir uns für Gottes Sache einsetzen und dabei manchmal tief frustriert sind, dann sind wir in bester Gesellschaft. Jesus ist es genauso ergangen, er kann sich absolut in uns hineinversetzen.

Doch dann sagt dieser Knecht Gottes in der Tageslosung auch: „Mein Recht ist bei dem Herrn und mein Lohn bei meinem Gott.“

Daran kannst du dich in deprimierten Momenten immer wieder erinnern. Entscheidend ist nicht, wie andere Menschen über das denken, was du machst.
Entscheidend ist nicht, ob du das Gefühl hast, versagt zu haben, ein Loser zu sein. Sondern wichtig ist, wie Gott dich sieht. Und bei Gott bist du Wert geachtet. Er sieht es, wenn du dich für seine Sache einsetzt, er schätzt dein Engagement, bei Gott hast du einen dicken Stein im Brett. Auch wenn du frustriert bist.

Um den Selbstvergleich des Knechts mit einem scharfen Schwert aufzugreifen: Auch du dich manchmal nicht wie ein scharfes Schwert oder spitzer Pfeil fühlst, sondern wie das stumpfe Messer, das man in der Küchenschublade immer nach hinten schiebt und nur nimmt, wenn alle anderen dreckig sind – Gott weiß, was er an dir hat, und gibt dir Kraft für deine Aufgabe.