Morgenimpuls zur Tageslosung

Pfarrer Albert verschickt von Montag bis Samstag als Rund-E-Mail einen „Morgenimpuls“ mit einer kleinen Besinnung zur Tageslosung.

Diese Mail können alle Leute bekommen, die sie haben möchten. Dafür schickt man  eine Mail an die Adresse stefan.albert@ev-kirche-schefflenz.de und schreibt hinein: „Ich möchte bis auf Widerruf den Morgenimpuls von Pfarrer Albert an diese E-Mail-Adresse bekommen“, mit dem Namen darunter.

Diese Morgenimpulse darf man gerne auch ausdrucken und an andere verteilen. Den Wunsch, die Mail zu bekommen, kann man jederzeit widerrufen!

Den aktuellen Morgenimpuls können Sie jeweils auch hier lesen!

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Morgenimpuls für Samstag, 11. Juli 2020

Die neutestamentliche Tageslosung steht in der Apostelgeschichte, Kapitel vier, Vers 13:

„Sie sahen aber den Freimut des Petrus und Johannes und wunderten sich; denn sie merkten, dass sie ungelehrte und einfache Leute waren, und wussten auch von ihnen, dass sie mit Jesus gewesen waren.“

Die schöne moderne Welt der elektronischen Massenmedien bringt es mit sich, dass mich fast täglich Verlautbarungen und Stellungnahmen von Kirchenleitungen erreichen, von unterschiedlichen Stellen und Ebenen und zu unterschiedlichen Themen. Manche empfinde ich als nützlich und hilfreich, über andere dagegen kann ich nur mein mittlerweile ergrautes Haupt schütteln. Denn sie erinnern mich an einen Satz, den einmal ein Theologieprofessor seinen Studenten mit auf den Weg gegeben hat: „Manche Theologen bieten den Leuten geistig so hochstehendes Futter, dass allenfalls Giraffen herankommen könnten. Doch der Herr hat nicht zu uns gesagt: Füttere meine Giraffen, sondern: Weide meine Schafe!“

Das trifft den Nagel auf den Kopf. Es wird auch in unserer heutigen Tageslosung deutlich. Unser Gott hat es verfügt, dass nicht nur Jesus selbst in ärmlichen Verhältnissen zur Welt kam und als Sohn einer einfachen Handwerkerfamilie in einem Dorf „am Rand der Welt“ aufgewachsen ist. Sondern auch seine Jünger waren fast durch die Bank Menschen aus einfachen Verhältnissen. Petrus und Johannes beispielsweise, um die es in unserer Tageslosung geht, waren vor ihrer Berufung zu Jüngern Jesu Fischer am See Genezareth.

Das alles wirkte sich natürlich auch auf die Verkündigung aus. Dass es keine hochgelehrten theoretischen Abhandlungen waren, was sie sagten, sondern klare, einfache, allen verständliche Verkündigung.

Im Zusammenhang unserer Tageslosung stehen sie gerade vor Gericht, weil sie es gewagt haben, sich zu dem als Gotteslästerer und Staatsfeind hingerichteten Jesus zu bekennen und ihn und seine Lehre zu verkündigen. Bei manchen Leuten aus dem Volk finden sie dafür Respekt und Zustimmung. Und die klugen und gelehrten Männer, vor deren Gerichtshof die beiden Jünger stehen, wundern sich nur noch. Wie können so ungebildete Menschen Dinge verkündigen, die den Menschen zu Herzen gehen, und den Mut aufbringen, gegen die Lehren und Interpretationen der Gelehrten eine eigenständige Meinung zu vertreten?

Mich hat diese Tageslosung wieder auf zwei Dinge hingewiesen.

Zum einen: Die Lehre Jesu ist nicht gedacht für hochintellektuelle Debatten, sondern dafür vorgesehen, so einfach und verständlich vermittelt zu werden, dass alle Leute sie verstehen können. Ich habe mal von einem Pfarrer gehört, der dafür eine einfache Übung machte. Auf seinem Schreibtisch standen die Fotos von mehreren Leuten aus der Gemeinde, unter anderem einer Konfirmandin, eines Arbeiters und einer Rentnerin. Und wenn er Gottesdienste, Predigten und Ansprachen vorbereitete, blickte er immer wieder auf diese Bilder und fragte sich: „Werden diese Leute das verstehen, was ich da gerade schreibe?“ Und wenn nicht, hat er sich neu auf den Hosenboden gesetzt, um es zu überarbeiten.

Und zum anderen: Christliche Verkündigung ist von ihrer Konzeption her eine Verkündigung gegen den Mainstream. Sie wird anecken, sie wird von vielen Intellektuellen abgelehnt und bekämpft werden, sie wird es nie schaffen, mehrheitsfähig zu werden. Doch dafür ist sie das, was unser Herr der Welt sagen möchte.