Morgenimpuls zur Tageslosung

Pfarrer Albert verschickt von Montag bis Samstag als Rund-E-Mail einen „Morgenimpuls“ mit einer kleinen Besinnung zur Tageslosung.

Diese Mail können alle Leute bekommen, die sie haben möchten. Dafür schickt man  eine Mail an die Adresse stefan.albert@ev-kirche-schefflenz.de und schreibt hinein: „Ich möchte bis auf Widerruf den Morgenimpuls von Pfarrer Albert an diese E-Mail-Adresse bekommen“, mit dem Namen darunter.

Diese Morgenimpulse darf man gerne auch ausdrucken und an andere verteilen. Den Wunsch, die Mail zu bekommen, kann man jederzeit widerrufen!

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Morgenimpuls für Samstag, 30. Mai 2026

Die neutestamentliche Tageslosung steht im Lukasevangelium, Kapitel 15, Vers 20. Dort erzählt Jesus im Rahmen eines Gleichnisses:

Als der Sohn noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater, und es jammerte ihn, und er lief und fiel ihm und den Hals und küsste ihn.

Es ist eines der bekanntesten Gleichnisse der Bibel überhaupt. Ein junger Mann verstößt gegen alle Regeln der Höflichkeit und der Sohnespflichten und lässt sich bereits zu Lebzeiten seines Vaters sein Erbteil auszahlen.

Dann lässt er den Vater und seinen älteren Bruder mit der Landwirtschaft im Stich, zieht ins Ausland, wo er das ganze Geld auf den Kopf haut.

Als er schließlich völlig blank ist und dann eine Hungersnot im Land ausbricht, wird ihm klar, wie sehr er sich verrannt hat. Reumütig macht er sich auf den Rückweg nach Hause. Doch er weiß, wie sehr er seinen Vater verletzt hat, und malt sich schon aus, wie der Empfang aussehen wird. Wird der Vater gleich die Hofhunde auf ihn hetzen? Oder wird er ihm wenigstens die Chance geben, als einfacher Tagelöhner im Familienbetrieb zu arbeiten?

Als er mit weichen Knien in die Sichtweite des elterlichen Hofes kommt, läuft es völlig anders, als er erwartet. Der Vater hat schon die ganze Zeit Ausschau gehalten, ob sein geliebtes Kind zurückkehren würde. Er rennt ihm entgegen, obwohl das nach orientalischen Vorstellungen kaum mit der Würde eines Familienpatriarchen vereinbar ist, fällt dem missratenen Sprössling um den Hals, küsst ihn ab, und nimmt ihn wieder in Gnaden als seinen Sohn auf – trotz der wütenden Proteste des älteren Sohnes, der sich nun reichlich blöd vorkommt, weil er die ganze Zeit treu beim Vater geblieben ist und für ihn gearbeitet hat.

Das Gleichnis ist vermutlich darum so bekannt, weil die „Moral von der Geschicht“ eine so eindrückliche ist: Zwar nimmt Gott unsere Sünden, unser falsches Verhalten sehr ernst und geht nicht einfach lächelnd darüber hinweg – einfach, weil er uns ernst nimmt. Und trotzdem müssen wir nicht „zu Kreuze kriechen“, wenn wir unser falsches Verhalten eingesehen haben und ernsthaft bereuen. Dann stehen die Türen Gottes für uns weit offen, und es ist ihm überhaupt nicht gleichgültig, ob wir zurückkommen oder fernbleiben – wenn wir uns einen Schritt auf ihn zubewegen, dann kommt er uns 100 Schritte entgegen, im Laufschritt wie der Vater in dem Gleichnis.

Immer wieder wird behauptet, der christliche Glaube wollen die Menschen mit seinem Reden über Sünde und Vergebung klein machen. Doch auch die heutige Tageslosung zeigt, dass das genaue Gegenteil der Fall ist: Wir sind Gott so wichtig, dass er uns entgegenrennt und nur darauf wartet, uns wieder in seine Arme schließen zu können.